Kalenderblatt August 2011 des Steuerbüros Sticher - Thema: Investitionen

 

Laut Definition handelt es sich hierbei um die "Verwendung finanzieller Mittel". Ganz so einfach ist das Investieren jedoch nicht. Zu beachten sind neben der reinen Mittelverwendung insbesondere Überlegungen zu deren Vorteilhaftigkeit, Rentabilität und etwaiger anderer Synergieeffekte.

 

Aus diesem Grund soll der August genutzt werden, um das Thema zu beleuchten sowie anhand von drei Fallbeispielen die wesentlichen Eckpunke kenntlich zu machen.

 

 

Beispiel 1: Errichtung und Optimierung eines Eigenlabors in der Zahnarztpraxis

 

Im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Betrachtung einer Zahnarztpraxis wird relativ schnell deutlich, wie hoch der Anteil der Fremdlaborkosten an den Gesamtausgaben ist. Damit die Gewinnmargen, die bisher den Fremdlaboren zu Gute kamen, dem eigenen Praxisgewinn hinzugerechnet werden können, besteht eine hohe Motivation zur Errichtung eines Eigenlabors.

Weiterer Vorteil der Errichtung eines Eigenlabors ist, dass die abgerechneten Laborkosten nicht dem Budget unterliegen und somit eine Verringerung der Rendite nicht zu erwarten ist. Zudem entfällt das in der Zusammenarbeit mit Fremdlaboren bestehende permanente Insolvenzrisiko des Patienten, da die Fremdlaborleistungen vertraglich zwischen dem Zahnarzt und dem Fremdlabor erbracht werden.

 

Einhergehend mit den vorstehenden Vorteilen ergeben sich aus dem Betrieb eines Eigenlabors auch Risiken. Eminent ist hierbei das Auslastungsrisikos des Zahntechnikers, da er im laufenden Praxisbetrieb aufgrund der begrenzten Fertigkeiten und Kenntnisse keine weiteren Aufgaben übernehmen kann. Zudem entstehen im Krankheitsfall erhebliche Zusatzkosten. Neben den weiterlaufenden Personalkosten sind dies insbesondere die dann in Anspruch zu nehmenden Fremdlaborkosten.

 

In die Investitionsüberlegungen ist auch die Implementierung in die bestehende Praxis zu überprüfen. Ziel ist, neben der allgemeinen strategischen Ausrichtung der Praxis, die für die Investitionsentscheidung benötigten Geräte und Materialien dergestalt zu wählen, dass diese ohne große Umstrukturierungen der Praxis sofort und intensiv genutzt bzw. verarbeitet werden können. Die Arbeiten, die nicht den bisherigen praxistypischen Laboraufträgen entsprechen, sollten auch weiterhin an Fremdlabore vergeben werden. In diesem Zusammenhang ist eine praxisspezifische Bedarfsanalyse anhand von Abrechnungsgebühren innerhalb der Praxissoftwarestatistiken vorzunehmen. Hierdurch ermitteln Sie ihre durchschnittliche Anzahl an Kronen, Brückengliedern, Prothesen, Gold- und Keramikinlays und Schienen. Im Nachgang kann der erwartete Laborumsatz ermittelt und entsprechende Investitionen geplant werden.

 

Neben der Ermittlung der reinen Gerätschaften hat auch eine Überprüfung der Raumkapazitäten zu erfolgen. Mit einzubeziehen ist hier insbesondere die Arbeitsstättenverordnung, um negative Überraschungen in der Umsetzungsphase zu vermeiden.

 

Zusätzlich sind auch die laufenden Kosten in die Investitionsüberlegung mit einzubeziehen. So muss die Stelle des Zahntechnikers entsprechend der Bedarfsanalyse besetzt werden. Grundsätzlich bleibt bei der Errichtung eines Eigenlabors festzuhalten, dass zu Beginn der Allroundzahntechniker dem spezialisierten vorzuziehen ist. Ferner ist auch im Verwaltungsbereich zu überprüfen, ob bedingt durch das Eigenlabor Veränderungen im Hinblick auf Kostenvoranschläge und Rechnungen notwendig sind. Veränderungen müssen sich hierbei nicht zwangsläufig ergeben, da durch die geringere Fremdvergabe von Laborleistungen die Kontrolle und Regresse der Fremdlaborrechnungen sowie die Terminkoordination teilweise entfällt.

 

Nachdem die Grundüberlegungen abgeschlossen sind, ist anhand der entsprechenden Grundfeststellungen eine Rentabilitätsbetrachtung vorzunehmen.

 

Der Finanzbedarf kann bei der Errichtung des Eigenlabors als übersichtlich betrachtet werden. Die "übliche Ausstattung" kann auf dem Gebrauchtgerätemarkt bereits für ein Volumen von rd. EUR 50.000,00 realisiert werden. Weiterhin sollte eine branchenübliche Umsatzrendite (2009: 32 %) in die Planung mit aufgenommen werden.

Ausgangsdaten:

 

Investitionen Labor

€ 50.000
Abschreibungsdauer (durchschnittlich)10 Jahre
Zinssatz f. d.d Finanzierung(kalk.)4,5% pro Jahr

Personalaufwand Zahntechniker pro Jahr

(Monatsgehalt (brutto) € 2.500,- zzgl. 25% Arbeitgebernebenkosten)

€ 37.500,00



Variable Kosten
Materialkosten(entsprechen durchschnittlich 20% des Umsatzes)26.000,00€
Fixkosten
Personalkosten37.500,00 €
Anteilige Raumkosten4.000,00 €
Fortbildungen1.500,00 €
Abschreibungen auf Laborgeräte5.000,00 €
Zinsaufwand (für das erste Jahr, in den Folgejahren geringer)2.250,00 €
  
Indirekte Fixkosten
Anteilige Verwaltungskosten (Praxispersonal f. Abrechnung, Organisation, etc.)12.000,00 €
Unternehmerlohn37.850,00 €
  
Notwendiger Jahresumsatz126.100,00€

 

Der notwendige Jahresumsatz aus der Labortätigkeit müsste demzufolge € 126.100,00 betragen. Dies entspricht rund € 10.500,00 pro Monat bzw. rund € 2.800,00 pro Woche. Dieser Umsatz erscheint bei dem Einsatz einer Fachkraft und der Orientierung an deckungsbeitragstarken Arbeiten (Edelmetall, Keramik, Suprakonstruktionen) sowie geringer Ausfallzeiten des Technikers plausibel.


Allerdings muss das Patientenvolumen eine ausreichende Auslastung des Labors gewährleisten. Demzufolge ist bedingt durch das Patientenvolumen die Etablierung des Eigenlabors in einer Einbehandlerpraxis wesentlich schwieriger als in einer Mehrbehandlerpraxis.


Alternativ ist auch die Errichtung eines Gemeinschaftslabors mit mehreren Zahnarztpraxen möglich.

 

Beispiel 2: Aufbau einer Prophylaxeabteilung


Wie auch bei der Errichtung des Eigenlabors stehen beim Aufbau der Prophylaxeabteilung die Grundüberlegungen an erster Stelle. Hierbei treten die Problematiken der Raumgestaltung und der Personalkosten in den Hintergrund, da in der Regel das eingesetzte Personal auch für weitere Tätigkeiten in der Praxis genutzt werden kann. Zudem sind die Räumlichkeiten in der Regel schon vorhanden, wurden jedoch bislang nicht ausreichend genutzt.


Wichtig ist aber auch hier die umfangreiche Vorbereitung und frühzeitige Weichenstellung. So sollte das Personal über die Investitionsplanung informiert und entsprechend geschult werden. Hintergrund ist, dass die zuständige Fachkraft nicht zeitgleich behandeln und Neupatienten für die Professionelle Zahnreinigung (PZR) motivieren kann. Da für die PZR ein objektiver Qualifikationsnachweis erforderlich ist, muss frühzeitig mit Fortbildungen begonnen werden. So sind zur Behandlung lediglich Zahnmedizinische Fachassistentinnen (ZMF), Dentalhygienikerinnen (DH) und Zahnmedizinische Prophylaxeassistentinnen (ZMP) berechtigt.


Ausgangsbasis für die nachfolgende exemplarische Betrachtung ist die Einbehandlerpraxis mit zwei voll eingerichteten Behandlungszimmern. Das dritte Behandlungszimmer wurde bei der Praxiserrichtung bereits mit den notwendigen Leitungen versorgt, bisher aber nicht sinnvoll genutzt.


Aufgrund der bereits vorhandenen Räumlichkeiten ist die Investitionsplanung auf die Behandlungseinheit, etwaige Zimmereinrichtung und - soweit nicht bei der Praxiserrichtung vorgenommen - auf evtl. kleinere handwerkliche Arbeiten beschränkt.

 

Ausgangsdaten:

 

Investitionen Prophylaxezimmer

dv. € 40.000,00 für eine Behandlungseinheit (Reserve für einen zweiten Behandler)

dv. € 20.000,00 für sonstige Einrichtung & Kleingeräte

€ 60.000,00

Zinssatz f. d. Finanzierung (kalk.)

4,5% pro Jahr

Personalaufwand pro Jahr

(für eine qualifizierte Teilzeitkraft auf 26 Std.basis mit einem Bruttogehalt von € 1.750,00)

€ 25.500,00

 

Ferner wurde für die PZR eine Dauer von 45 Minuten sowie ein zu erzielender Umsatz von € 80,00 unterstellt. Unter Berücksichtigung einer Aufbauphase sollen mittelfristig sieben Behandlungen am Tag durchgeführt werden. Die Behandlungszahl pro Tag setzt allerdings ein gut funktionierendes separates Recall-System und ein motiviertes Praxisteam voraus.


Entsprechend der vorstehenden Prämissen ergibt sich die nachfolgende Rentabilitätsrechnung:

  

Einnahmen

Einnahmen aus PZR (220 Arbeitstage à 7 PZR abzgl. Sicherheitsabschlag)

110.000,00 €

Ausgaben

Personalkosten Prophylaxe

25.500,00 €

Material und sonstige Kosten

(entsprechen durchschnittlich 8% des Umsatzes)

8.800,00 €

Fortbildungen (für ZMP-Fortbildung; lediglich im ersten Jahr)

3.500,00 €

Zinsaufwand (für das erste Jahr; in den Folgejahren geringer)

2.600,00 €

Deckungsbeitrag vor Tilgung

69.500,00 €

Tilgung (im ersten Jahr bei einer 10jährigen Laufzeit)

4.900,00 €

Liquiditätsüberschuss

64.600,00 €

 

Wie aus der vorstehenden Planung ersichtlich wird, liefert die etablierte Prophylaxeabteilung eine Liquiditätsreserve von rd. € 64.600,00. Im direkten Vergleich der vorstehenden Rentabilitätsrechnung gegenüber der Berechnung des Eigenlabors bleibt festzuhalten, dass erstere lediglich eine Teilkostenrechnung ist und somit keine anteilige Fixkosten (Raumkosten, anteilige Personalkosten für Verwaltung) enthalten sind.


Außer Ansatz gelassen wurde eine etwaige Gewinnbeteiligung des Praxisteams. Dieses sollte als Motivationsbonus für das gesamte Team ausgelobt werden. Hierzu ist ein entsprechender Sockelbetrag - zum Ausgleich der Kosten für die Prophylaxeabteilung - herauszurechnen und von dem Restüberschuss ein entsprechender Prozentsatz festzulegen.

Durch die Beteiligung des gesamten Praxisteams wird die Motivation hin zur Bewerbung der PZR gefördert.

 

 

Beispiel 3: Errichtung einer neuen Abfüllanlage


Auch in anderen Bereichen ist bei Investitionsentscheidungen eine rationale Entscheidungsgrundlage zu entwickeln. Im nachfolgenden Beispiel soll die Entscheidung auf Basis einer Kostenvergleichsrechnung erfolgen.


Das betrachtete Unternehmen ist eine Sektkellerei, die die Errichtung einer zusätzlichen Abfüllanlage plant. Von den diversen Angeboten wurden die beiden nachfolgenden Anlagen in die nähere Wahl gezogen.

 

  Anlage IAnlage II

Anschaffungskosten

150.000,00 €

174.000,00 €

Nutzungsdauer

6 Jahre

6 Jahre

Kapazität

15.200 Flaschen

16.400 Flaschen

Sonstige fixe Kosten (pro Jahr)

18.250,00 €

17.110,00 €

Materialkosten (pro Flasche)

1,08 €

1,08 €

Löhne und Lohnnebenkosten (pro Jahr)

20.292,00 €

20.975,00 €

Energiekosten (pro Flasche)

0,16 €

0,20 €

Sonstige Variable Kosten

18.000,00 €

19.690,00 €

 

 

Für die weitere Berechnung wurde ein Kalkulationszinssatz von 7% unterstellt. Darüber hinaus sollen die produzierten Flaschen zu einem Preis von € 7,25 pro Flasche abgesetzt werden. Auf Basis der Eckdaten, ergibt sich nachfolgende Stückkostenvergleichsrechnung.

 

 

 Anlage IAnlage II

Anschaffungskosten

150.000,00 €

174.000,00 €

Nutzungsdauer

6 Jahre

6 Jahre

Liquidationserlös am Ende der Nutzungsdauer

0,00 €

0,00 €

Kapazität

15.200 Flaschen

16.400 Flaschen

Abschreibungen (pro Jahr)

25.000,00 €

29.000,00 €

+ Zinsen

(7% pro Jahr auf den hälftigen Anschaffungswert)

5.250,00 €

6.090,00 €

+ Sonstige fixe Kosten (pro Jahr)

18.250,00 €

17.110,00 €

= Gesamte fixe Kosten (pro Jahr)

48.500,00 €

52.200,00 €

Gesamte fixe Kosten (pro Flasche und Jahr)

3,1908 €

3,1829 €

Löhne und Lohnnebenkosten (pro Jahr)

20.292,00 €

20.975,00 €

+ sonstige variable Kosten (pro Jahr)

18.000,00 €

19.690,00 €

= Zwischensumme ( pro Jahr)

38.292,00 €

40.665,00 €

Zwischensumme (pro Flasche und Jahr)

2,5192 €

2,4796 €

+ Materialkosten (pro Flasche)

1,0800 €

1,0800 €

+ Energiekosten (pro Flasche)

0,1600 €

0,2000 €

= Gesamte variable Kosten (pro Flasche und Jahr)

3,7592 €

3,7596 €

= Gesamte Kosten (pro Flasche)

6,9500 €

6,9425 €

 

Die Sektkellerei wird sich aufgrund der Kostenvergleichsrechnung für die Anlage II entscheiden, da die Kosten pro produzierter Flasche unter denen der Anlage I liegen.


Bei der vorstehenden Vergleichsrechnung bleibt festzuhalten, dass lediglich eine Entscheidungsgrundlage zwischen den beiden Anlagen ermittelt wurde. Aufgrund der fehlenden Erlösseite (in unserem Beispiel € 7,25 pro Flasche) sowie der fehlenden Betrachtung der tatsächlichen Absatzmenge zur Produktionsmenge ist mit dem vorstehenden Verfahren die Ermittlung einer absoluten Vorteilhaftigkeit nicht möglich.


Fazit:


Die Ausführungen zu den drei Beispielen verdeutlichen, dass im Rahmen des Themenbereiches "Investitionen" neben der reinen zahlenmäßigen Aufbereitung der Fakten, für die verschiedenste Bewertungsmaßstäbe vorhanden sind, auch strategische Entscheidungen getroffen werden müssen.


Denn schließlich liegt den ganzen Überlegungen und Berechnungen eine Intention zu Grunde:


Erzielung einer auskömmlichen Rendite für das eingesetzte Kapital bzw. nachhaltige Maximierung des Unternehmensgewinnes.



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