Kalenderblatt Juli 2011 des Steuerbüros Sticher - Thema: Steuerersparnisse

“Niemand ist verpflichtet sein Vermögen so zu verwalten oder seine Ertragsquellen so zu bewirtschaften, dass dem Staat darauf hohe Steuern zufließen.”


Diesen steuerlichen Grundsatz hat das "Preußische Oberverwaltungsgericht" bereits im Jahr 1906 aufgestellt und er ist immer noch uneingeschränkt gültig.

Eine Möglichkeit einkommensteuerliche Vergünstigungen zu nutzen gibt es zum Beispiel für unter Denkmalschutz stehenden Wirtschaftsgüter, insbesondere Gebäude. 
Werden diese beispielsweise vermietet, so besteht die Möglichkeit hierfür erhöhte Abschreibung und Erhaltungsaufwand als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend zu machen.  Diese Vorteile können auch als steuerlich attraktive Geldanlage zum Beispiel durch Beitritt zu einem Denkmalschutzfond genutzt werden.

1.   Erhöhte Absetzung für Abnutzung:

Für ein im Inland gelegenes Gebäude, dass nach geltendem Landesrecht ein Baudenkmal ist und entweder vermietet wird oder sich in einem Betriebsvermögen befindet, kann anstelle der normalen Gebäudeabschreibung eine Erhöhte degressive Abschreibung vorgenommen werden. Diese beträgt in den ersten acht Jahren 9% und in den folgenden vier Jahren 7%. Hierfür müssen die Baumaßnahmen zur Erhaltung des Gebäudes als Baudenkmal oder zu seiner sinnvollen Nutzung erforderlich sein. Weiter müssen die Baumaßnahmen vorher mit der zuständigen Landesdenkmalschutzbehörde abgestimmt sein, was tunlichst zu dokumentieren ist, da es  in der Praxis oft übersehen wird.

 

Diese Begünstigung kann neben den bürgerlich-rechtlichen Eigentümer auch der wirtschaftliche Eigentümer in Anspruch nehmen. Entscheidend ist, dass Herstellungskosten für den Denkmalschutz getragen wurden z.B. von der Ehefrau des Alleineigentümers.

 

Ausnahme der vorgenannten Regelungen bilden Gebäude, die unter dem sog. Ensembleschutz stehen. Berücksichtigt werden hier auch Nichtbaudenkmäler, die zu einer Gebäudegruppe oder Anlage gehören, welche nach dem jeweiligen Landesrecht als Einheit geschützt ist.

 

Wichtig ist, dass Anschaffungskosten eines Gebäudes nur bei Baumaßnahmen begünstigt sind, die nach Abschluss eines Kaufvertrages durchgeführt wurden. Für sog. Bauherren-Modelle (Bauherrengemeinschaften) bedeutet dies: "Erst kaufen, dann sanieren!". Denn, ist ein Erwerber erst nach Baubeginn der Gemeinschaft beigetreten, sind nur die Aufwendungen für die darauf folgenden Baumaßnahmen begünstigt.

 

Erhalten Sie Zuschüsse aus öffentlichen Kassen oder privaten Denkmalstiftungen, so  mindern diese die begünstigten Herstellungskosten. Nachträglich gewährte Zuschüsse vermindern die Bemessungsgrundlage für die Absetzung für Abnutzung nicht rückwirkend, sondern erst zum Zeitpunkt der Gewährung.

 

Entfällt die Denkmaleigenschaft, so kann ab dem Folgejahr auch nicht mehr die Erhöhte Absetzung für Abnutzung in Anspruch genommen werden. Die Denkmaleigenschaft sowie die Erforderlichkeit der Baumaßnahme sind durch eine entsprechende Bescheinigung der zuständigen Landesdenkmalschutzbehörde nachzuweisen. Nach Beendigung der Baumaßnahme sind die Aufwendungen entsprechend den Bescheinigungsrichtlinien der Behörde nachzuweisen. Da die Bescheinigung der Landesdenkmalschutzbehörde für das Finanzamt einen steuerrechtlichen Grundlagenbescheid darstellt, ist dieses bezüglich der Denkmaleigenschaft des Objektes, der Art der Baumaßnahmen (Instandsetzung oder Modernisierung) sowie ob die Aufwendungen nach Art und Umfang zur Erhaltung des Objektes als Baudenkmal und zu seiner sinnvollen Nutzung erforderlich sind, an der Bescheinigung gebunden.

 

 

2.   Erhaltungsaufwand

Größere Erhaltungsaufwendungen können auf zwei bis fünf Jahre verteilt als Betriebsausgabe oder Werbungskosten abgezogen werden. Sollte das Baudenkmal während dieser Kostenverteilung veräußert werden, so kann der restliche Erhaltungsaufwand im Jahr der Veräußerung auf einmal abgesetzt werden.

 

 

3.   Selbstgenutzte Wohnobjekte

Bei Selbstgenutzten Wohnobjekten können Herstellungskosten und Erhaltungs-aufwendungen wie Sonderausgaben geltend gemacht werden, wenn sie zur Erhaltung oder sinnvollen Nutzung des Objektes als Baudenkmal erforderlich sind. Hierzu verweise ich auf die bereits vorgenannten Anforderungen wie zur erhöhten Absetzung.

 

Die Abzugsbeträge betragen 10 Jahre à 9%, mithin 90%. Die restlichen 10% sind nicht mehr steuerlich abzugsfähig. Wird die begünstigte Wohnung zunächst selbstgenutzt und dann vermietet, dann kann der größere Erhaltungsaufwand im Jahr des Übergangs zur Vermietung in voller Höhe abgezogen werden. Bei einer Veräußerung gibt es diese Möglichkeit nicht.

 

 

4.   Schutzwürdige Kulturgüter

Unter Schutzwürdige Kulturgüter versteht man neben ertraglosen oder als Liebhaberei behandelten Baudenkmälern auch unter Schutz gestellte gärtnerische, bauliche oder sonstige Anlage, die  keine Gebäude oder Gebäudeteile sind. Weiter gehören hierzu Mobiliar, Kunstgegenstände, Kunstsammlungen, wissenschaftliche Sammlungen, Bibliotheken und Archive wenn sie der wissenschaftlichen Forschung oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

Auch hier können die Aufwendungen des Eigentümers für die Herstellungs- und Erhaltungsaufwendungen wie Sonderausgaben (10 Jahre à 9%) geltend gemacht werden. Weiter müssen die Aufwendungen mit der zuständige Landesbehörde abgestimmt sein. Die Begünstigung von Erhaltungsmaßnahmen umfasst nicht die lfd. Betriebskosten.

 

Begünstigt sind Aufwendungen, soweit sie öffentliche oder private Zuwendungen sowie Einnahmen wie Eintrittsgelder, nach Abzug der laufenden Betriebskosten, übersteigen.

 

Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages hat am 29.06.2011 einem von der Regierungskoalition eingebrachten Entwurf zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden (17/6074) zugestimmt. Mit diesem Gesetz sollen energetische Maßnahmen an Gebäuden, die vor 1995 errichtet wurden, gefördert werden. Hierbei erfolgt bei vermieteten Gebäuden eine Abschreibung der Kosten über 10 Jahre, währenddessen bei selbstgenutzten Gebäuden die Förderung über einen 10jährigen Sonderausgabenabzug gewährleistet wird. Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Förderung sind:

-  Errichtung des Gebäudes vor dem 01.01.1995,


-  Jahresprimärenergiebedarf von max. 85% gegenüber dem entsprechenden Referenzobjektes lt. Energiesparverordnung,


-  keine öffentliche Förderung der energetischen Sanierungsmaßnahme, beispielsweise durch zinsvergünstigte Darlehen der KfW, Investitionszulagen oder steuerbefreite Zuschüsse und


-  Nachweis der vorgenannten Voraussetzungen durch eine Bescheinigung einer sachkundigen Person gem. § 21 der Energiesparverordnung.

Das Gesetz tritt nicht, wie ursprünglich von der Regierung geplant, am 01.01.2012 in Kraft, sondern gilt bereits für energetische Maßnahmen mit denen ab dem 06.06.2011 begonnen wurde.

 

Haben Sie Fragen zu den steuerlichen Begünstigungen und Fördermöglichkeiten von Baudenkmälern? Sprechen Sie uns an!