Kalenderblatt September 2011 des Steuerbüros Sticher - Thema: Häusliches Arbeitszimmer

Der Begriff des "häuslichen Arbeitszimmers" ist sehr vielen Menschen geläufig. Aber was verbirgt sich dahinter und was hat sich im Jahr 2011 in diesem Bereich geändert? Diese Fragen beantworten wir Ihnen in unserer September-Ausgabe. 

 

1. Was ist ein häusliches Arbeitszimmer?

Das häusliche Arbeitszimmer wird im Steuerrecht unter dem § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG erläutert. Der Begriff an sich hat schon einen selbsterklärenden Charakter. Unter dem häuslichen Arbeitszimmer wird ein privater geschlossener Raum verstanden, mit dessen Einrichtung man in die Lage versetzt wird Büroarbeiten, geistige, künstlerische oder schriftstellerische Tätigkeiten zu verrichten. Dieser Raum sollte sich in einer eigenen oder angemieteten Wohnung befinden. Ein häusliches Arbeitszimmer ersetzt somit einen nicht vorhandenen betrieblichen Arbeitsplatz oder stellt für manche Berufsgruppen den Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit dar. Daher muss das Arbeitszimmer auch fast ausschließlich für betriebliche Zwecke genutzt werden (privater Nutzungsanteil <10%).

Die Besonderheit bei einem häuslichen Arbeitszimmer ist, dass die dafür anfallenden Aufwendungen unter bestimmten Voraussetzungen als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben geltend gemacht werden können.  

 

2. Was hat sich im Jahr 2011 geändert?

Im Jahr 2007 wurde von der damaligen Bundesregierung beschlossen, dass grundsätzlich nur Personen, bei denen das Arbeitszimmer den qualitativen Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet, zu einem Abzug der Aufwendungen als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben in vollem Umfang berechtigt sind. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Regelung mit seinem Urteil vom 06. Juli 2010 (2 BvL 13/09) für verfassungswidrig erklärt.


Diesem Urteil wurde nun seitens der Bundesregierung Rechnung getragen und das bisher bestehende Abzugsverbot für die Personengruppe, denen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, aufgehoben. Ab dem Jahr 2011 kann die vorgenannte Personengruppe Aufwendungen bis zu 1.250.- € für das häusliche Arbeitszimmer geltend machen. Somit ist ein Abzug als Werbungskosten bzw. Betriebsausgabe wieder möglich. Weiterhin sind die Steuerpflichtigen gemäß § 52 XII S. 9 EStG berechtigt, diese Regelung rückwirkend erstmals für den Veranlagungszeitraum 2007 anzuwenden. 

Folglich ist einen Abzug rückwirkend für die Einkommensteuerveranlagungen ab dem Veranlagungszeitraum 2007 möglich.

 

 

3. Wer kann Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten absetzen?

Grundsätzlich können alle Personen Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten geltend machen, wenn... 

  • ihnen für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht 

    Diese Regelung greift z.B. 

    • bei Lehrern

    • bei angestellten Krankenhausärzten, die neben ihrer Tätigkeit noch eine freiberufliche Gutachtertätigkeit ausüben und ihnen für diese kein Arbeitsplatz im Krankenhaus zur Verfügung steht.

    • bei Bankangestellten, die einen nicht unerheblichen Teil der Büroarbeit außerhalb der üblichen Bürozeiten verrichten müssen und ihnen dafür kein regulärer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (BFH-Urteil vom 07. August 2003, - VI R 162/00 - ).

       

  • ODER

    wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet.

    Diese Regelung greift z.B. 

    • bei einem Verkaufsleiter, der zur Überwachung von Mitarbeitern und zur Betreuung von Großkunden auch im Außendienst tätig ist, so kann das häusliche Arbeitszimmer Tätigkeitsmittelpunkt sein, wenn er dort die für den Beruf wesentlichen Leistungen (z.B. Organisation der Betriebsabläufe) erbringt.

    • bei einem Ingenieur, dessen Tätigkeit durch die Erarbeitung theoretischer, komplexer Problemlösungen im häuslichen Arbeitszimmer geprägt ist, so kann dieses auch dann der Mittelpunkt der beruflichen Betätigung sein, wenn die Betreuung von Kunden im Außendienst ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört.

    • bei einem Praxis-Consultant, der ärztliche Praxen in betriebswirtschaftlichen Fragen berät, betreut und unterstützt, so kann das häusliche Arbeitszimmer auch dann den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bilden, wenn er einen nicht unerheblichen Teil seiner Arbeitszeit im Außendienst verbringt.

       

       

4. Welche Aufwendungen können berücksichtigt werden?

Es können alle anteiligen Aufwendungen, die für das Arbeitszimmer anfallen als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben berücksichtigt werden. Insbesondere sind dies folgende Aufwendungen:

  • Miete,

  • Gebäude-AfA, Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung, Sonderabschreibungen,

  • Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind,

  • Wasser- und Energiekosten,

  • Reinigungskosten,

  • Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen,

  • Renovierungskosten und

  • Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers, wie z. B. Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen. 

Ob die oben genannten Aufwendungen voll oder teilweise berücksichtigt werden können, verdeutlicht das folgende Schema:

5. In welcher Höhe können die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer berücksichtigt werden?

Gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG gibt es zwei Ausnahmen vom grundsätzlichen Abzugsverbot:

    1. Steht das häusliche Arbeitszimmer im Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit, sind die Ausgaben in vollem Umfang abzugsfähig.

    2. Steht dem Steuerpflichtigen für die Ausübung seiner Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, begrenzt sich der Abzug der Aufwendungen auf bis zu 1.250,-€ pro Jahr.

 


Die getätigten Aufwendungen müssen natürlich mit den entsprechenden Belegen nachgewiesen werden.

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